Großer Preis des Rheinischen Trabrennsports

Abschiedsrenntag an der Niersbrücke

Sonntag, 15. November 2026

Erster Start: 13:00 Uhr

Großer Preis des Rheinischen Trabrennsports

Abschiedsrenntag an der Niersbrücke

Sonntag, 15. November 2026

Erster Start: 13:00 Uhr

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Sonntag, 15. November 2026

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Wenn die Startflügel ein letztes Mal aufklappen

Abschied von 133 Jahren Trabrenngeschichte in Mönchengladbach

Am 15. November 2026 soll auf der Trabrennbahn Mönchengladbach zum letzten Mal der Startwagen rollen. Mit dem Ende der ältesten Trabrennbahn Deutschlands verschwindet nicht nur eine traditionsreiche Sportstätte, sondern ein Stück Heimat für Generationen von Pferdesportbegeisterten. Eine Rennbahn, die Champions hervorgebracht hat, die Krisen und Kriege überstand und die vor allem eines immer war: ein Ort für Menschen, die den Trabrennsport lieben.

Es begann mit gerade einmal vier Pferden. Am 13. August 1893 wurden auf den Wiesen an der Niers die ersten Trabrennen ausgetragen. Niemand konnte damals ahnen, dass daraus eine Geschichte entstehen würde, die sich über 133 Jahre erstrecken sollte. Eine Geschichte von großen Siegen und bitteren Niederlagen, von legendären Pferden und außergewöhnlichen Menschen. Und von einer Rennbahn, die sich immer wieder neu erfand, selbst dann noch, als viele ihr längst keine Zukunft mehr zutrauten.

Die Trabrennbahn Mönchengladbach hat zwei Weltkriege erlebt, wirtschaftliche Krisen überstanden und unzählige Veränderungen des Trabrennsports mitgemacht. In ihren besten Zeiten strömten Tausende Besucher an die Niers, die Tribünen waren voller Menschen, die Atmosphäre elektrisierend. Internationale Spitzenpferde gingen hier an den Start, große Rennen wurden entschieden, und nicht selten schrieb der Sport auf dieser Bahn seine ganz eigenen Geschichten.Doch Mönchengladbach war immer mehr als nur ein Austragungsort für Trabrennen. Die Bahn war auch eine Talentschmiede. Hier wuchsen Fahrer heran, die später den deutschen Trabrennsport prägen sollten. Roland Hülskath etwa, der 2006 mit 240 Jahressiegen die jahrzehntelange Championatsserie von Heinz Wewering beendete. Und natürlich Michael Nimczyk, der aus dem benachbarten Willich stammt und zu einem der erfolgreichsten deutschen Trabrennfahrer seiner Generation aufstieg. Der vielfache deutsche Champion steht wie kaum ein anderer für die sportliche Bedeutung des niederrheinischen Trabrennsports. Seine Karriere ist eng mit dieser Region und ihren Rennbahnen verbunden. Mönchengladbach hat also nicht nur Rennen veranstaltet. Die Bahn war Teil einer Region, die Champions hervorgebracht und den deutschen Trabrennsport über Jahrzehnte geprägt hat.

Eine Rennbahn, auf der nicht nur die Großen zu Hause waren

Doch wer die Bedeutung von Mönchengladbach allein an großen Namen, bedeutenden Rennen oder sportlichen Rekorden misst, würde dieser Rennbahn nicht gerecht. Denn Mönchengladbach war vor allem auch die Rennbahn der Amateure, der kleinen Besitzer und der Menschen, für die ein eigenes Rennpferd keine Selbstverständlichkeit, sondern die Erfüllung eines Traums war. Hier musste man keinen großen Rennstall besitzen, um dazuzugehören. Hier standen nicht nur die großen Namen im Mittelpunkt, sondern auch jene, die ihre Pferde mit viel persönlichem Einsatz trainierten, pflegten und an den Start brachten. Für die ein Sieg in Mönchengladbach manchmal genauso viel bedeutete wie für andere ein Triumph auf der ganz großen Bühne.Gerade für Amateurfahrerinnen und Amateurfahrer war die Bahn über Jahrzehnte ein wichtiger sportlicher Mittelpunkt. Ein Ort, um Erfahrungen zu sammeln, erste Siege zu feiern und sich mit anderen zu messen. Und für viele kleine Besitzer war sie ein Stück gelebter Trabrennsport, nahbar, persönlich und bezahlbar. Das wird fehlen. Denn mit Mönchengladbach verschwindet nicht einfach nur ein weiterer Austragungsort aus dem Rennkalender. Es verschwindet ein Stück jener Basis, ohne die auch der große Trabrennsport auf Dauer nicht bestehen kann.

Vielleicht war Mönchengladbach nie die größte Rennbahn Deutschlands. Und gewiss war sie in ihren letzten Jahren auch nicht mehr die schönste. Die Jahrzehnte hatten sichtbare Spuren hinterlassen, manches war in die Jahre gekommen, und der Glanz vergangener Zeiten ließ sich nicht überall bewahren. Aber eine Rennbahn wird nicht allein an der Größe ihrer Tribünen, dem Zustand ihrer Gebäude oder der Höhe ihrer Preisgelder gemessen. Sondern auch daran, wie viel sie den Menschen bedeutet, die dort ihre Zeit verbringen. Und in dieser Hinsicht war Mönchengladbach bis zuletzt eine ganz große Rennbahn.

Eine Geschichte, die eigentlich schon vor 20 Jahren hätte enden können

Das drohende Ende war seit vielen Jahren ein ständiger Begleiter. Wie ein Damoklesschwert schwebten die Pläne für eine anderweitige Nutzung und Bebauung des Rennbahngeländes über der traditionsreichen Sportstätte. Immer wieder gab es Hoffnungen auf einen Fortbestand, immer wieder neue Unsicherheiten. Nun hat die Stadt Mönchengladbach ihre Planungen für die künftige Nutzung des Areals so weit konkretisiert, dass für den Trabrennsport dort kein Platz mehr bleibt. Was über Jahre eine drohende Perspektive war, wird nun Wirklichkeit. Die Rennbahn muss weichen – und mit ihr ein Stück Sportgeschichte, das sich an anderer Stelle kaum ersetzen lässt.

Dabei hätte die Geschichte der Trabrennbahn schon viel früher enden können. Als der traditionsreiche Rennverein 2005 Insolvenz anmelden musste, schien das Ende bereits besiegelt. Doch es fanden sich Menschen, die Verantwortung übernahmen und weitermachten. Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihre Leidenschaft investierten, um den Trabrennsport an der Niers zu erhalten. Dass in Mönchengladbach danach noch mehr als zwei Jahrzehnte Rennen stattfinden konnten, war alles andere als selbstverständlich. Möglich wurde dies vor allem durch außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement. Viele Helferinnen und Helfer sorgten im Hintergrund dafür, dass die Anlage gepflegt, Renntage organisiert und Pferde wie Aktive immer wieder willkommen geheißen werden konnten.

Zuletzt war es insbesondere Elmar Eßer, der sich mit großem persönlichem Einsatz für den Fortbestand der Rennbahn engagierte und damit stellvertretend für viele andere steht, die diese Geschichte über so lange Zeit weitergeschrieben haben. Doch ebenso wenig wäre all dies ohne die treuen Freunde und Förderer des Trabrennsports möglich gewesen. Ohne Sponsoren, die der Bahn über viele Jahre die Treue hielten, ohne Unterstützer, die auch in schwierigen Zeiten an ihrer Seite standen, und ohne Menschen, die nicht nur auf die wirtschaftlichen Zahlen schauten, sondern an den Wert dieser traditionsreichen Sportstätte glaubten. Ihnen allen gilt zum Abschied ein besonderer Dank. Sie haben nicht nur einzelne Renntage ermöglicht, sondern einer ganzen Generation von Aktiven und Besuchern zusätzliche Jahre voller Erinnerungen geschenkt.

Wenn der Karneval noch einmal den Trabrennsport feiert

Dass der letzte Renntag am 15. November ganz im Zeichen des Karnevals stehen soll, passt auf besondere Weise zu Mönchengladbach. Seit vielen Jahren gehören die Karnevalisten zu den treuen Gästen der Trabrennbahn. Sie kommen Jahr für Jahr, bringen ihre Begeisterung, ihre Lebensfreude und ihre Verbundenheit mit der Stadt mit. Aus dieser Tradition ist eine besondere Verbindung entstanden, die weit über den eigentlichen Pferdesport hinausgeht.Und so wird der letzte Renntag auch zu einem Fest der Gemeinschaft. Noch einmal sollen Pferdesport und rheinischer Karneval zusammenfinden. Noch einmal wird gefeiert, gelacht und angefeuert. Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Freude und Wehmut, die dem Abschied seinen besonderen Charakter verleihen wird. Denn auch wenn der Anlass traurig ist, soll dieser letzte Renntag vor allem eine Würdigung dessen sein, was hier über Generationen geschaffen wurde.

Was bleibt, sind die Menschen und ihre Geschichten

Mit dem Ende der Trabrennbahn Mönchengladbach verliert der deutsche Trabrennsport einen seiner geschichtsträchtigsten Orte. Vor allem aber einen Ort voller persönlicher Erinnerungen: an den ersten eigenen Sieg, an ein Pferd, das vielleicht nie ein großer Star war, für seinen Besitzer aber das größte überhaupt. An Gespräche auf dem Stallgelände, Begegnungen am Geläuf und Freundschaften, die über Jahrzehnte gewachsen sind.Am 15. November werden sich noch einmal Pferde hinter dem Startwagen versammeln. Die Fahrer werden auf ihren Sulkys Platz nehmen, der Startwagen wird beschleunigen. Dann werden die Startflügel aufklappen – ein letztes Mal. Und irgendwann wird das letzte Pferd die Ziellinie überqueren.

133 Jahre Trabrennbahn Mönchengladbach. Die Rennen werden enden. Doch was diesen Ort über Generationen so besonders gemacht hat, wird in den Erinnerungen der Menschen weiterleben.

© Verein zur Förderung des Rheinischen Trabrennsportes e.V. 2018